Blau in allen Farben

Warum jeder mal eine Nacht unter freiem Himmel verbracht haben sollte

Es gibt Momente im Leben, die lassen sich nicht fotografieren. Sie schleichen sich still in dein Herz, bleiben für immer und verändern dich ein kleines bisschen. Eine Nacht unter freiem Himmel gehört dazu.

Ich erinnere mich noch genau an unsere Überfahrt über die Biskaya.  Mein Mann schlief unter Deck und ich hatte die erste Nachtwache, fuhr mitten in die Nacht hinein. Der Wind kam raumschots und blies gut in die Segel, nicht zu viel und nicht zu wenig. Wir konnten gut segeln, die Wellen plätscherten in einem gleichmäßigen ruhigen Ton gegen den Rumpf.

Ich fröstelte ein wenig, die Nacht war schwarz, so schwarz wie nur das offene Meer sie kennt. Kein Licht weit und breit, außer dem schwachen Glimmen der Instrumente. Keine Fischerboote, keine andere Menschenseele in Sicht. Nur das 4.000 m tiefe, schwarze Meer, ein endlos weiter Sternenhimmel und ich.

In Gedanken versunken sitze ich hinten am Heck, halte alle paar Minuten einen ‚Rundumblick‘. Es zischt neben mir, ich erschrecke mich und springe auf, mein Herz rast. Was ist passiert? Ein Delfin im Wasser, direkt neben mir. Diese andächtigen Tiere, die ich am Tag immer wieder über die Weite des Meeres gesucht habe, deren Anblick mich so euphorisch gemacht, wenn ich sie um das Boot herumschwimmen und spielen sah, die fast schon kitschig in den Sonnenuntergang schwammen, … jetzt machen sie mir fast ein bisschen Angst. Und dahinten – was ist das denn? Plötzlich am Horizont, ein roter Feuerball, der schnell auf mich zukommt. Brennt da was? Auf dem Wasser?? Es wird immer größer!  Soll ich meinen Mann wecken? Rechtzeitig erkenne ich noch, dass es der Mond ist, der mitten in der Nacht aufgeht. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das schon einmal gesehen habe.

Meine Sinne reagieren anders als sonst. Ich spüre plötzlich, wie viel mehr da draußen ist – und wie schön es ist, ein Teil davon zu sein. Das erdet mich und macht mich irgendwie auch sehr zufrieden. Und obwohl ich immer noch etwas fröstelte, war da dieses Gefühl von: Genau hier soll ich gerade sein.

Warum eigentlich draußen schlafen?

Du musst dafür nicht mitten auf dem Atlantik sein. Eine Nacht unter freiem Himmel kann überall magisch sein – auf einem Hügel über der Stadt, in einem Zelt am Strand, auf dem Balkon, im Garten, oder in einer Hängematte zwischen zwei Bäumen. Es geht nicht um das wo, sondern darum, dass man es macht!

Draußen schlafen verändert deine Wahrnehmung. Du wachst auf mit dem ersten Licht, hörst die Welt atmen, riechst die Nachtluft, spürst, wie klein du bist – und wie groß das Leben. Kein Dach zwischen dir und den Sternen, kein Bildschirm, keine Wand, die dich trennt von der Welt. Nur du, vielleicht ja auch noch jemand an deiner Seite, und das Universum über dir.

Was du mitnimmst, wenn du nichts brauchst

Eine Nacht ohne Dach bringt dich zurück zu etwas Ursprünglichem. Du brauchst nicht viel – eine Isomatte, einen Schlafsack, vielleicht eine gespannte Plane gegen Tau. Aber was du mitnimmst, ist weit mehr: Ruhe. Klarheit. Und oft auch Demut.

Du merkst, wie laut die Welt sonst ist. Und wie gut es tut, wenn es im Kopf mal leiser wird. Du liegst da, schaust in den Himmel, denkst an nichts und fühlst plötzlich alles. Vielleicht siehst du Sternschnuppen und erinnerst dich daran, dass du noch Träume hast. Du hörst Tiere, den Wind, das Rascheln im Gebüsch – und lernst, ihnen zu vertrauen. Du wachst auf mit dem ersten Vogelruf und fragst dich, warum du das noch nie getan hast.

Komm heraus aus deiner Komfortzone, es ist einfacher als du denkst

Vielleicht ist es an der Zeit, dass du einmal aus deiner Komfortzone herauskommst. Dafür brauchst du keinen Urlaub, keine weite Reise, keine perfekte Ausrüstung. Vielleicht brauchst du nur eine Nacht unter freiem Himmel.

Pack deinen Schlafsack. Geh raus. Leg dich hin. Und schlaf mit offenen Sinnen.

Ich verspreche dir, es wird ein Abenteuer

 
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